Inhaltliche Gesichtspunkte zu ausgewählten Ausbildungsschwerpunkten

I. Grundlagenseminare
In den täglichen zweistündigen Grundkursen konzentriert sich die seminaristische Arbeit auf waldorfspezifische pädagogische Anthropologie, u.a. auf der Grundlage von Rudolf Steiners Ausführungen über "Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik", im Kontext des aktuellen Diskurses über Erziehung und Bildung. In diesem Zusammenhang ergibt sich auch eine allgemeine Einführung in die Waldorfpädagogik. Kurse in Bewusstseinsgeschichte, Kultur- und Kunstgeschichte vollziehen sich im Horizont  einer Allgemein- und Selbstbildung. Methodische Übungen zur Steigerung des Wahrnehmens und Denkens gehören ebenso hierher wie Seminare über differenzierte, phänomenologische Naturbetrachtungsweisen.

II. Künstlerische Übungen
Diese finden in Epochen statt, die ein vertiefendes Üben gestatten. Die künstlerischen Bereiche sind: Malen (auch Tafelbildmalen), Plastizieren, Zeichnen, Eurythmie, Sprachgestaltung (hier auch ein Theaterprojekt), Musik. In den künstlerischen Übungsprozessen ruft man in den verschiedenen Künsten je unterschiedliche Bereiche seiner Persönlichkeit zur inneren Aktivität auf: Kunst als Mittel, sich selbst auszudifferenzieren, das Seelische reich, farbig und intensiv zu gestalten. Diese Kreativitätspotentiale haben große Bedeutung für das pädagogische Wirken in der Schule.

III. Allgemeine Methodik-Didaktik sowie Methodik-Didaktik der Fächer
Hier werden nicht nur die Lehrpläne der Fächer horizontal und vertikal übend durchgegangen oder Unterrichtsmethoden erarbeitet, sondern es werden Elemente einer Erziehungskunst eingeübt Zu den übergreifenden Kursen in Methodik-Didaktik vgl. "Ein Tag im Waldorflehrerseminar Kiel". Zur fachspezifischnen Methodik-Didaktik vgl. "Angebote der Methodik-Didaktik der Fächer". Die Dozenten sind durchweg tätige Lehrer an Waldorfschulen.

IV. Einarbeitung in die Praxis:
Das zweite Ausbildungsjahr dient vor allem der Einarbeitung in die Praxis, unterbrochen von vier halbmonatigen Intensivkursen, in denen man die Erfahrungen in der Praxis in Seminarkursen reklektiert. In den Ausbildungsschulen des Seminars (z.T. - wenn gewünscht - auch im Ausland) werden die Seminarist*innen durch Mentoren betreut, in deren Unterricht sich der praktische Teil der Ausbildung vollzieht. Die Seminarist*innen über sich im Unterichten bis zu selbständig konzipierten und erteilten größeren Unterrichtseinheiten (Epochen).  Für das zweite Ausbildungsjahr lassen sich auch Mischformen denken, z. B. dass schon Teildeputate übernommen werden. Individuelle Lösungen ergeben sich nach Bedarf und Absprache.

V. Weitere Projekte
Angebote gibt es im Bereich Schauspiel/Theater, im musikalischen Bereich (Chor) und durch eine Eurythmiearbeitsgruppe.

Unsere Ausbildungsschwerpunkte im Überblick:

  • Erarbeitung anthropologischer und entwicklungspsychologischer Grundlagen für Bildung und Erziehung, um auf das Entwicklungsbedürfnis der Kinder und Jugendlichen eingehen zu können.

  • Intensive künstlerische Übungen, die in individueller Weise persönlichkeitsbildend wirken.

  • Integration von fachlichem Professionswissen in die Methodik-Didaktik der Unterrichtsfächer.

  • Erkenntnistheoretische Fundierung und Übung in Phänomenologischer Betrachtung als Methode von Bildungsprozessen.

  • Umfangreiche Schulpraktika, um sich unter Anleitung erfahrener Mentoren auf das eigenverantwortliche Unterrichten vorbereiten zu können.

  • Praxisforschung als innovative Weiterentwicklung der persönlichen Fähigkeiten im Unterrichten.
  • Lebendiger Austausch und gemeinsame Bildungsprozesse in einer Studiengemeinschaft.

Zu unserem Selbstverständnis gehört es, die anthroposophisch orientierten Studieninhalte nicht als Lehre zu vermitteln, sondern als erkenntnisbasierte Methode mit heuristischer Funktion, initiativ und erfolgreich in der pädagogischen Praxis handeln zu können.